Bevor es zur Krise wird
Schwierige Themen in Engineering-Programmen werden oft plötzlich klarer, sobald daraus eine Krise wird. Prioritäten verschieben sich, Entscheidungen werden getroffen, und Dinge, die vorher optional wirkten, werden auf einmal wesentlich.
Diese kurze Übung nutzt diesen Perspektivwechsel, um auf ein Thema zu schauen, bevor es so weit kommt.
Wählen Sie ein konkretes Thema
Denken Sie an ein konkretes Thema in Ihrem Engineering-Programm, bei dem Sie ein ungutes Gefühl haben.
Vielleicht kommt es immer wieder auf, hängt von mehreren Personen oder Teams ab oder fühlt sich weniger unter Kontrolle an, als es sollte.
Behalten Sie genau dieses Thema für die gesamte Übung im Kopf.
Stellen Sie sich vor, das Thema ist eskaliert
Es ist nächste Woche. Das Thema, das Sie gewählt haben, ist zu einer ernsthaften Krise für Ihr Programm geworden. Von Ihnen wird erwartet, die Situation unter Kontrolle zu bekommen.
Stellen Sie sich diese Situation möglichst konkret vor. Die folgenden Fragen beziehen sich alle auf genau dieses Thema.
Wenn es Ihnen hilft, machen Sie sich eine kurze Notiz dazu.
Was müsste jetzt passieren?
Stellen Sie sich vor, Sie müssten jetzt handeln.
- Was müssten Sie jetzt wissen?Welche Information oder welcher Nachweis würde Ihnen zeigen, wo Sie wirklich stehen? Was müssten Sie selbst ansehen oder überprüfen?
- Wen würden Sie sofort zusammenbringen?Wer versteht das Thema, wer müsste an der Lösung mitarbeiten und wer müsste Entscheidungen treffen können?
- Was müssten Sie jetzt in Gang setzen?Welche Arbeit sollte sofort beginnen? Was braucht es dafür, und welche Entscheidungen wären nötig?
Wie packen Sie es an
Sie haben überlegt, was sofort passieren muss. Denken Sie jetzt darüber nach, wie die Krise konkret bearbeitet würde.
- Wie würde die Zusammenarbeit jetzt organisiert?Wer müsste eng zusammenarbeiten? Wie würden die notwendigen Arbeiten aufeinander abgestimmt?
- Wie würde sichergestellt, dass die Lösung vorankommt?Wer behält im Blick, was zusammenkommen muss? Wie würden Hindernisse erkannt und gemeinsam ausgeräumt?
- Wie würde überprüft, ob die Lösung funktioniert?Welche Ergebnisse oder Nachweise müssten dafür betrachtet werden? Woran wäre erkennbar, dass die Lösung tatsächlich trägt?
Zurück zu heute
Vergleichen Sie Ihre Gedanken zur Krise mit dem heutigen Programmalltag.
- Wie kommt die Arbeit heute zusammen?Wie kommen die vielen Beiträge in Ihrem Programm heute zu einem Gesamtsystem zusammen? Wie behalten Sie dabei im Blick, was noch fehlt, was im Weg steht und ob das Ergebnis tatsächlich trägt?
- Warum läuft das heute anders als in Ihrer Krisenlösung?Was macht es im Programmalltag schwieriger, auf diese Weise zu arbeiten?
- Was könnten Sie schon heute stärker so machen wie in der Krise?Welcher Teil Ihrer Krisenlösung könnte bei Ihrem Thema schon heute helfen?
Zum Abschluss
Der Vergleich zeigt, was unter Druck plötzlich möglich wird und was davon im normalen Programmalltag fehlt.
Vielleicht haben Sie dabei Ansätze erkannt, die schon vor einer Krise hilfreich sein könnten.
Was müsste sich verändern, damit Sie schon heute stärker so arbeiten könnten?
Mit solchen Situationen beschäftige ich mich auch in meiner Beratung: zu verstehen, was ein Programm schwieriger macht, als es sein sollte, wo Veränderungen am meisten helfen würden und wie sie sich in die Praxis umsetzen lassen.
Vielen Dank für Ihre Teilnahme.
Ich hoffe, der Vergleich hat Ihnen geholfen, Ihr Programm und das ungute Gefühl vom Anfang besser zu verstehen.
Was würden Sie schon heute stärker so machen wie in der Krise?